Ultima Raka 2002

Endlich war auch diese lästige Woche an ihrem letzten Tag angekommen. Heute stand das so wichtige Spiel gegen Union Berlin auf dem Programm. Uhrzeit? 5 vor 12! Eigentlich unglaublich, dass wir nach einer so desaströsen Rückrunde noch immer die Chance hatten, den Klassenerhalt aus eigener Kraft zu sichern. Sogar ein Remis würde da heute schon reichen. Dennoch war die Skepsis groß, überhaupt diesen einen Zähler erbeuten zu können.

Ganz bewusst verzichteten wir diesmal vor Spielbeginn auf optische Akzente. Lediglich ein großes Spruchband ließen wir über die gesamte Breite der Nordtribüne ausbreiten. Seine Aufschrift: “Auch wenn wir wüssten, dass morgen der FC Energie untergeht, würden wir heute noch einen Apfelbaum pflanzen!”. Anders ausgedrückt: Egal was auch passieren wird, wir – die Fans – werden immer hinter unserem Verein stehen.
Dass sich jedoch die Stimmung am heutigen Tage als derart mau gestalten sollte, enttäuschte dann doch sehr. Zwar ist dies bei vollem Stadion leider zumeist der Fall, doch so wenig Hingabe in einem solch bedeutenden Spiel macht einen dann doch sprachlos. Da war selbst beim letzten Heimspiel gegen den VfL Bochum mehr los. Waren wohl doch zu viele Freibier-Spekulanten vor Ort? Schlecht!

Genauso dürftig gestaltete sich leider abermals das Geschehen auf dem Rasen. Nach vorne wieder nicht viel und hinten erneut unsicher. Dann auch noch Elfmeter für Union, klasse! Wenigstens in dieser Situation kamen dann auch mal Hinz und Kunz aus sich heraus und bedachten den Schützen mit gellenden Pfiffen. Nutzte nichts, das Ding war drin. Dachte man zunächst. Wurde aber zurückgepfiffen.Erleichterung. Zweiter Versuch…Latte!!! Kollektives Ausrasten auf den Rängen des SdF! Torlos ging es in die Halbzeitpause, während die Konkurrenz aus Karlsruhe und Aue bereits führte. Noch reichte dies ja, aber wie lange sollte das noch gutgehen? 2. Halbzeit. Nach einer Viertelstunde gehen wir doch tatsächlich in Führung. Emotionen pur! Doch kaum war der erste Jubel vorüber, steht es auch schon 1:1. Hört doch auf! Doch die Hoffnung stirbt zuletzt, der Punkt würde ja reichen. Ne Viertelstunde vor Schluss dann ein Freistoß in aussichtsreicher Position. Rangelov übernimmt die Verantwortung und trifft. Erneut ein riesiger Jubelsturm. Gott sei Dank passierte bis zum Schluss dann nicht mehr viel. Das Spiel war aus, die Saison zu Ende. Endlich!!! Riesengroße Erleichterung. Doch einen Dank hatte sich die Mannschaft nun wahrlich nicht verdient. Man hatte schließlich lediglich die Suppe ausgelöffelt, welche man sich selbst eingebrockt hatte. Danke für Nichts! Nicht auszudenken, wie die ganze Geschichte ausgegangen wäre, wenn unser heutiger Gast mit voller Motivation zu Werke gegangen wäre…

Dennoch sollten hier einige positive Begleiterscheinungen nicht unerwähnt bleiben:
Wer es sich, 2 Wochen nachdem er schwerverletzt ins Krankenhaus eingeliefert wird, nicht nehmen lässt, unserem Verein beim letzten Heimspiel beizuwohnen, hat jeglichen Respekt verdient. Wahnsinn Eidechse! Erstaunt  wurde unser tapfer kämpfendes Mitglied 1,5 Stunden vor Spielbeginn vorm Conti begrüßt und völlig zurecht mit Applaus und Gesängen empfangen. An solch einer Einstellung hätte sich unsere Mannschaft mal ein Beispiel nehmen sollen, dann wäre die Saison wohl ganz anders gelaufen…
Dank auch an die 5 Jungs aus Weißwasser, die uns bei den letzten beiden Saisonspielen begleiteten.
Nicht zuletzt sei an dieser Stelle der Senfgurkenmafia zum 15-jährigen Bestehen gratuliert! Herzlichen Glückwunsch!

In der Hoffnung, dass uns die nächste Saison weitaus mehr Erfolge bescheren möge, haken wir diese Spielzeit nun wohl am besten ganz schnell ab. Anfang August gilt es auf ein Neues: Immer vorwärts Energie! Wir sehen uns im Block I!

Nah dran und doch verloren

Endlich Sonntag – eine nicht enden wollende Woche neigte sich nun endlich dem so wichtigen Spiel entgegen. In den vorangegangenen Tagen herrschte erneut Endspiel-Stimmung rund um Cottbus. Und dies zurecht, stand doch das wichtige Auswärtsspiel in Ingolstadt auf dem Spielplan. Der Verein reagierte darauf, indem er Fanbusse sowie Eintrittskarten sponserte, um das heutige Auswärtsspiel zum Heimspiel zu machen. So nahmen 15 Busse die Fahrt gen Ingolstadt auf. Diese verlief dann reibungslos, sodass man beizeiten vor Ort war. Im Industriegebiet angekommen, schnappte man sich das gesamte Material und machte sich auf den Weg zum Eingang. Dort gab es diesmal extra Tische, um den Inhalt seiner Taschen zu präsentieren, ok…  Von den angemeldeten Spruchbändern wussten die Ordner indes zunächst nichts, letztendlich fanden diese dennoch den Weg ins Stadion. Lediglich mit unseren kleinen Schwenkern gab es kurz Probleme. So waren doch erneut nur 1,50m-Stangen erlaubt und 2 unserer Stangen waren doch tatsächlich etwas länger. Da kann man natürlich nicht mal ein Auge zudrücken – die Stangen mussten gekürzt werden. Servus Sicherheitswahn!

Nun zum wirklich Wichtigen – dem Spiel:
Zum Auflaufen der Mannschaften gab es von uns ein Spruchband für unser im Krankenhaus liegendes Mitglied zu sehen. Ergänzt wurde dieses von einigen Schals mit dem Namen des tapferen Kämpfers! Auf geht´s Eidechse! Wir wollen dich bald wieder im Stadion sehen! Mit dem Inhalt „Gesund zu werden ist das Ziel, der erste Schritt wird dieses Spiel! Eidechsen müssen Kämpfen!“ war gleichzeitig auch die Aufforderung an die Mannschaft verbunden, dieses wichtige Spiel nicht in den Sand zu setzen.
2000 Cottbuser fanden den Weg ins Stadion – wobei wir zugeben müssen, dass ohne Freibusse und –karten es wohl gerade einmal 700 gewesen wären. 2000 Cottbuser lieferten die wohl beste Stimmung der gesamten Saison ab – stellenweise war das mal wieder richtig geil, phasenweise jedoch auch recht dünn, dem Spiel entsprechend halt. 2000 Cottbuser machten dennoch das Spiel zum Heimspiel. Doch das half alles nichts, denn 11 Spieler machten letztendlich 1 spielentscheidenden Fehler, der den so wichtigen Punkt zum Klassenerhalt kostete. Ohne Zweifel – der Wille konnte der Mannschaft keinesfalls abgesprochen werden. Doch dieser schießt bekanntlich keine Tore. So herrschte nach diesem verdammten Gegentor erneut pures Entsetzen im Gästeblock. Ne Nullnummer hätte hier den Klassenerhalt bedeutetet…Verdammt! So blieben nach dem Spiel die meisten noch verhältnismäßig lange im Gästeblock, man konnte es einfach nicht fassen.

So steht nun am kommenden Sonntag das hoffentlich letzte und wichtigste Spiel der Saison an. Mit den Eisernen aus Berlin kommt ein starker Gegner, sportlich, wie auch fantechnisch. Nun gilt es noch einmal alle Kräfte zu mobilisieren und sich gemeinsam für den Profifußball in Cottbus den Arsch aufzureißen. Ausreden zählen nicht. Ab ins Stadion der Freundschaft und den Ball, wenn nötig, ins Berliner Tor brüllen. Alles für Cottbus. 90 Minuten lang! Bis Sonntag!

Im Vorfeld der Partie hatte man alle Hebel in Bewegung gesetzt. Von Kleingeistern, welche meinten die Spieler mittels Drohungen unter Druck zu setzen, wurde sich mittels eines offenen Briefes eindeutig distanziert. Zudem machten wir dem Team Mut, indem wir vor dem Abschlusstraining den Weg zum Trainingsplatz mit darauf ausgerichteten Sprüchen „ausschilderten“. Auch der Verein erkannte die hohe Bedeutung dieser Partie und reagierte darauf, indem man über Sponsoren zahlreiche Freikarten an den Mann brachte. Schade nur, dass sich deren Inhaber zum Großteil auf der Südtribüne versammelten. So kann man nur schlecht jemanden von der Atmosphäre begeistern geschweige denn neue junge Leute gewinnen. Nichts desto trotz war das Stadion der Freundschaft dank dieser Aktion sehr gut gefüllt. Nicht nur das – auch stimmungsmäßig konnte man am heutigen Abend sehr zufrieden sein. Der I-Block erlebte wohl stimmungsmäßig seinen besten Auftritt der Saison, aber auch die Wechselgesänge mit der Ost- und Südtribüne funktionierten erstaunlicherweise wirklich gut. Aus Bochum waren indes erstaunlicherweise nur rund 50 Anhänger angereist.

Mit dem Einlaufen der Teams appellierte man erneut an die Ehre der Spieler. Nicht zuletzt unsere bedrohliche sportliche Situation sollte Anlass dazu sein, wirklich alles aus sich heraus zu holen. Auch unser Trainer hätte sich einen Sieg verdient, um in persönlich schweren Tagen wenigstens einen kleinen Lichtblick zu erhalten. Und siehe da – all die Bemühungen im Vorfeld des Spiels sollten anscheinend Früchte tragen. Die Mannschaft legte los wie die Feuerwehr. Da waren auf einmal unbändiger Einsatz, Willen und Konzentration auf dem Platz zu sehen. Nachdem erste Torchancen noch ausgelassen wurden, belohnte man sich anschließend folgerichtig mit dem Führungstreffer. Unglaubliche Erleichterung in den Heimblöcken! Auch danach spielte man weiter zielstrebig nach vorne, verpasste es aber leider die Führung auszubauen. So ging es mit der knappen 1:0-Führung in die Halbzeitpause.
Zu Beginn von Hälfte 2 machten wir mittels eines Spruchbandes unseren Wunsch nach einem Sportdirektor deutlich. Das Bedürfnis sollte spätestens nach dieser Saison kaum jemandem verborgen geblieben sein. Auf dem Feld indes brachte sich unser Team mal wieder selbst um die wirklich großen Bemühungen der 1. Hälfte. Nach einer knappen Viertelstunde konnte ein Einwurf nicht konsequent genug geklärt werden, landete stattdessen vor den Füßen eines Bochumers und von dort aus in unserem Gehäuse. Verdammt! Zwar konnte man unserer Mannschaft den Willen anschließend nicht absprechen, jedoch war man nun erneut so verunsichert, sodass weitaus weniger zustande gebracht wurde als noch in Halbzeit 1. Stattdessen durfte man sich bei Schlussmann Renno bedanken, dass wenigstens der eine Punkt erhalten blieb. Irgendwie nichts Halbes und nichts Ganzes! Dennoch hatte wenigstens die Einstellung mal gestimmt. Dafür holte sich das Team auch den verdienten Applaus ab. Dran bleiben jetzt! Auf nach Ingolstadt! Auswärtssieg!

PS: So schwer es in diesen bedeutenden Tagen für unseren Verein auch zu glauben sein mag, gibt es dennoch Dinge im Leben, die da noch wichtiger sind! Gute Besserung Marco! Eidechsen kämpfen!

Ohne Worte die Zweite

Das Auswärtsspiel beim SC Paderborn stand auf dem Programm. Viel sollte dort erneut auf dem Spiel stehen. Zunächst jedoch stand erst einmal viel auf dem Bahnhofsvorplatz herum – viele alte bekannte Gesichter, denen man schon lange nicht mehr bei einer Busfahrt begegnete. Schließlich wurde die Fahrt unter dem Motto „Alt und jung gemeinsam auswärts“ ausgerufen. Fast alle in die Jahre gekommenen Männer holte man am heutigen Tag von der Couch, oder besser gesagt aus dem Bett, sollte unser Gefährt doch bereits um 4 Uhr rollen. Statt die Fahrt zu dieser unchristlichen Zeit zunächst ruhig angehen zu lassen, hieß es heute statt Augen zu Hülsen auf. So mancher schwang sein Tanzbein, pogte durch den Bus oder genoss ein um das andere Bier. Erst nach einigen Stunden holten dann viele den nachts verpassten Schlaf nach. Schließlich galt es, sich für das enorm wichtige Spiel auszuruhen. Man hätte diese Fahrt so entspannt angehen können, aber nein…Abstiegskampf!

Bereits zwei Stunden vor Spielbeginn erreichten wir die Spielstätte. Ganz entspannt konnte man also nach einer Weile den Weg Richtung Stadioninneres antreten. Ebenso entspannt war dann auch die Einlasskontrolle. Sogar eine kleine Blockfahne kam ohne Anmeldung und ohne Probleme ins Stadion.
Zum Einlaufen der Mannschaften zeigten wir ein Spruchband mit der Aufschrift „Zeigt, dass ihr es wert seid dieses Trikot zu tragen“. Gleichzeitig streckte fast jeder sein Trikot nach oben, ersatzweise auch T-Shirt oder Schal. Sehr schönes Bild. Vor allem aber ein eindeutiger Appell an die Mannschaft!

Auch die Stimmung im Gästeblock konnte sich hören lassen. Wenigstens auf dieser Seite des Zauns schien man die Zeichen der Zeit verstanden zu haben. Dies konnte man von der Mannschaft erneut nicht behaupten. Gerade einmal die erste Spielminute war um, als es schon wieder in unserem Gehäuse klingelte. Nachdem gleich darauf die Ausgleichschance an die Latte geköpft wurde, sollte von nun an wieder einmal erschreckend wenig in Sachen Offensive passieren. Dennoch unterstützte man die Mannschaft weiterhin sehr gut. Alle 250-300 Energiefans sangen alles aus sich heraus und peitschten die Mannschaft nach vorne. Das war Support aus ganzem Herzen. Weiter so! Doch was nützt dies alles, wenn sich das Team auf dem Feld davon absolut gar nicht beflügeln lässt? Nichts! So ließ die Unterstützung bereits nach dem 2:0 spürbar nach und kam schließlich nach dem 3:0 ganz zum erliegen. So mancher verließ sogar vorzeitig bedient das Stadion. Mehr und mehr machte sich Frust breit. Diesen bekam die Mannschaft nach Spielende dann auch zu spüren. Auch nach dem Verlassen des Stadions wurde das Team noch einmal hinter den Gästeblock zitiert. Unter lautstarken Buh-Rufen kam man dieser Aufforderung nach, um schlussendlich eine letzte Ansage entgegenzunehmen: Gegen Bochum ist eure letzte Chance, kämpft!

Im Bus zurück nach Cottbus war es in den ersten Stunden merklich ruhig. Jeder musste erst einmal die trostlosen 90 Minuten verdauen. Nach einer Weile entschloss man sich dann aber doch, das Spiel erst einmal für eine Weile zu vergessen. Bei reichlich Gerstensaft und Musik verbrachten wir noch unvergessliche Stunden, ehe man größtenteils total erschöpft die schönste Stadt der Welt erreichte.

Auf dass diese Stadt auch in Zukunft Zweitliga-Fußball zu sehen bekommt!

Nächste Seite »